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Wie oft Menschen über 65 duschen sollten – laut neuer Studie nicht alle 2 oder 3 Tage.

Ältere Frau reinigt Hände am Waschbecken, umgeben von Pflegeprodukten, Pflanzen und Handtuch.

Nach 65 kann die Badezimmer-Routine, der viele von uns jahrzehntelang gefolgt sind, plötzlich nicht mehr zu unserer Haut und unserer Gesundheit passen.

Über Generationen hinweg wurde die tägliche Dusche als Goldstandard der Hygiene verkauft. Doch Dermatologinnen und Dermatologen stellen diese Gewohnheit inzwischen infrage – besonders bei älteren Erwachsenen, deren Haut sich mit zunehmendem Alter deutlich verändert. Eine neue Welle an Forschung deutet darauf hin, dass der Reflex „je sauberer, desto besser“ nach 65 sogar nach hinten losgehen kann – und dass eine sanftere, klügere Routine sowohl das Wohlbefinden als auch die Gesundheit schützen könnte.

Warum tägliches Duschen nach 65 nachteilig sein kann

Ab etwa Mitte 60 verändert sich die Biologie der Haut: Sie produziert weniger Talg, speichert weniger Wasser und repariert Schäden langsamer. Die Schutzbarriere, die Reizstoffe und Keime draußen hält, wird dünner. Genau dann beginnen strikte tägliche Duschen, lange heiße Bäder und aggressive Seifen eher Probleme zu verursachen, als sie zu lösen.

Viele Dermatologinnen und Dermatologen tendieren heute bei vielen Menschen über 65 zu zwei bis drei Duschen pro Woche statt zu einer starren täglichen Waschpflicht.

Die neue Studie – im Einklang mit der Haltung vieler Ärztinnen und Ärzte – legt nahe: Für Seniorinnen und Senioren mit durchschnittlichem Aktivitätsniveau und ohne spezifische medizinische Probleme bietet eine Häufigkeit von zwei bis drei Duschen pro Woche meist eine gute Balance. Dieser Rhythmus hält Geruch und Schweiß unter Kontrolle, ohne der Haut Tag für Tag ihre Schutzstoffe zu entziehen.

Alter, Klima, Mobilität und der allgemeine Gesundheitszustand spielen dabei eine Rolle. Wer täglich mehrere Kilometer geht oder Enkelkinder betreut, braucht möglicherweise häufiger eine Dusche als jemand mit eingeschränkter Mobilität, der die meiste Zeit drinnen verbringt. Ähnlich ist es bei Menschen in feucht-warmem Florida im Vergleich zu einem kühlen, trockenen Küstenort in Schottland.

Zu häufiges Waschen hat klare Nachteile. Zu heißes Wasser löst die natürlichen Lipide auf der Hautoberfläche. Normale Seifen – insbesondere parfümierte, stark schäumende Produkte – entfernen die verbleibenden Öle. Mit der Zeit führt diese Kombination zu ausgeprägter Trockenheit, Spannungsgefühl und Schuppung.

Bei reifer Haut bleibt diese Trockenheit nicht nur ein kosmetisches Problem. In der äußeren Schicht können sich Mikrorisse bilden. Diese unsichtbaren Spalten erleichtern Bakterien und Pilzen das Eindringen und erhöhen das Infektionsrisiko – besonders bei Menschen mit Diabetes, schlechter Durchblutung oder geschwächtem Immunsystem.

Das eigentliche Hygienerisiko nach 65 entsteht oft weniger dadurch, „zu selten zu duschen“, sondern eher dadurch, die ohnehin fragile Hautbarriere immer wieder zu beschädigen.

Das bedeutet nicht, Hygiene zu vernachlässigen. Es bedeutet, Duschen als ein Werkzeug unter mehreren zu sehen – und nicht als tägliche Pflicht für jeden älteren Körper.

Wie oft Seniorinnen und Senioren in der Praxis duschen sollten

Profil Empfohlene Duschhäufigkeit
Aktive Seniorin/aktiver Senior, täglicher Sport oder Gartenarbeit Täglich oder jeden zweiten Tag, mit sanften Produkten
Mäßig aktiv, gemäßigtes Klima 2 bis 3 Mal pro Woche
Eingeschränkte Mobilität, meist drinnen 1 bis 2 Mal pro Woche, plus tägliche gezielte Teilwäsche
Sehr trockene Haut oder Neigung zu Ekzemen 2 Mal pro Woche, sofern Ärztin/Arzt nichts anderes empfiehlt

Dermatologinnen und Dermatologen betonen, dass dies Richtwerte sind, keine strikten Regeln. Geruch, Komfort und Lebensstil sollten die Anpassungen bestimmen. Wenn man sich nach einer Hitzewelle oder einer langen Busfahrt klebrig fühlt, ist eine zusätzliche Dusche sinnvoll. Wenn die Haut nach jeder Wäsche brennt, schuppt oder juckt, sollte die Routine wahrscheinlich reduziert werden.

Die tägliche Hygiene-Routine „ohne Dusche“

Auch wenn man nur ein paar Mal pro Woche duscht, bleibt tägliche Hygiene wichtig. Schweiß und Bakterien verteilen sich nicht gleichmäßig am Körper; sie konzentrieren sich in bestimmten Zonen. Diese Bereiche täglich zu reinigen, reduziert Geruch und Infektionsrisiko, ohne die gesamte Hautfläche einzuweichen.

Wichtige Bereiche, die täglich gewaschen werden sollten

  • Achseln, wo viele Schweißdrüsen sitzen und geruchsbildende Bakterien gut gedeihen
  • Genital- und Analbereich, besonders bei Inkontinenz
  • Füße, einschließlich zwischen den Zehen, wo sich Feuchtigkeit sammelt
  • Gesicht und Hals, die Umweltbelastungen, Talg und Kosmetikrückstände aufnehmen
  • Hautfalten, z. B. unter der Brust oder am Bauch, wo Reibung und Feuchtigkeit zusammenkommen

Diese „gezielte Wäsche“ kann am Waschbecken erfolgen – mit einem weichen Waschlappen, Wattepads oder einem wiederverwendbaren Waschhandschuh, lauwarmem Wasser und einem milden Reinigungsprodukt. Manche Pflegepersonen nutzen spezielle Reinigungsschäume ohne Abspülen für Angehörige, die nicht in der Dusche stehen können. Feuchttücher finden sich ebenfalls in vielen Badezimmern; Dermatologinnen und Dermatologen empfehlen meist parfümfreie, alkoholfreie Varianten, um Reizungen zu vermeiden.

Eine sorgfältige tägliche Reinigung von Risikozonen schützt die Gesundheit oft wirksamer als eine schnelle Ganzkörperdusche, die die Haut austrocknet.

Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität kann dieser gezielte Ansatz entscheidend sein. Er erhält Würde und Frische, ohne die große körperliche und emotionale Belastung einer täglichen Komplettdusche.

Die richtigen Duschprodukte nach 65 auswählen

Nach der Lebensmitte ist das Produkt im Duschregal fast so wichtig wie die Anzahl der Duschen. Viele Duschgele, die mit „Frische“ werben, setzen auf starke Tenside und intensive Duftstoffe – beides ist für ältere Haut wenig hilfreich.

Worauf man auf dem Etikett achten sollte

  • Hinweise wie „für trockene oder reife Haut“ statt Versprechen wie „Tiefenreinigung“
  • pH-ausgewogene bzw. „pH-neutrale“ Formeln, die näher an der natürlichen Hautsäure liegen
  • Seifenfreie Reinigungsprodukte, um das Entfetten zu reduzieren
  • Zusätzliche Öle wie Mandel-, Argan-, Sonnenblumen- oder Haferöl zur Unterstützung der Barriere
  • Kurze Inhaltsstofflisten mit möglichst wenig Duft- und Farbstoffen

Cremige Duschgele und Duschöle eignen sich für viele Seniorinnen und Senioren gut. Ein ölbasierter Reiniger wird unter Wasser milchig, entfernt Schweiß und leichten Schmutz und hinterlässt einen dünnen, pflegenden Film. Wer ölige Texturen nicht mag, kann gründlich abspülen und anschließend eine leichte Bodylotion verwenden.

Die austrocknende Wirkung kommt nicht nur vom Produkt. Lange Duschen, starker Wasserdruck und sehr hohe Temperaturen stressen die Haut. Fachleute empfehlen meist, das Wasser angenehm warm statt sehr heiß zu wählen und die Duschdauer auf etwa 5–10 Minuten zu begrenzen.

Auch die Art des Abtrocknens ist wichtig. Kräftiges Rubbeln mit einem rauen Handtuch kann die Vorteile einer sanften Reinigung zunichtemachen. Tupfen mit einem weichen Handtuch – besonders an Beinen und Armen – reduziert Reibung. Viele Dermatologinnen und Dermatologen raten, innerhalb weniger Minuten eine Feuchtigkeitscreme auf die noch leicht feuchte Haut aufzutragen, um Wasser besser zu „einschließen“.

Worauf Ärztinnen und Ärzte über Sauberkeit hinaus achten

Bei Menschen über 65 überschneiden sich Hygienegwohnheiten mit tieferen Gesundheitsthemen. Eine Dermatologin/ein Dermatologe oder die Hausärztin/der Hausarzt betrachtet die Haut oft als Signal: Plötzliche Veränderungen von Geruch, Struktur oder Farbe können auf Diabetes, Nervenprobleme oder Infektionen hinweisen. Sehr seltenes Waschen kann wunde Stellen verdecken. Zu häufiges Waschen kann die Ursache von Juckreiz oder Ausschlägen verschleiern.

Einige Medikamente – etwa Diuretika, Cholesterinsenker und bestimmte Antidepressiva – können die Haut austrocknen oder reaktiver machen. In solchen Fällen hilft oft ein reduzierter Duschplan kombiniert mit reichhaltigeren Pflegeprodukten. Menschen mit kognitivem Abbau können kürzliches Duschen vergessen oder das Baden ablehnen, was Routinen schwerer macht. Pflegeteams priorisieren dann meist Komfort und Würde gegenüber einer strengen Frequenz.

Die „richtige“ Duschanzahl für eine 70-jährige Person hängt ebenso von medizinischem Profil und Selbstständigkeit ab wie von jedem Lehrbuchideal.

Familien, die eine ältere Angehörige oder einen älteren Angehörigen versorgen, befürchten manchmal, weniger Duschen bedeute Vernachlässigung. Fachleute beruhigen meist: Konsequente Teilwäsche, saubere Kleidung, frische Bettwäsche und eine gute Rückfettungs- bzw. Feuchtigkeitspflege sind oft wichtiger als der „pflichtmäßige“ Gang ins Bad nach Kalender.

Forschung in eine realistische Routine übersetzen

Für Menschen über 65 kann sich die Umstellung auf ein neues Muster ungewohnt anfühlen – besonders nach Jahrzehnten täglicher Duschen. Ein hilfreicher Ansatz ist ein dreiwöchiges Experiment: Ganzkörperduschen auf zwei bis drei pro Woche reduzieren, die tägliche Reinigung der Schlüsselbereiche strikt beibehalten und eine parfümfreie Feuchtigkeitscreme ergänzen. Viele bemerken dann weniger Juckreiz an Schienbeinen und Unterarmen sowie weniger rote Stellen hinter den Knien oder am Rücken.

Mit den Jahreszeiten können sich auch Gewohnheiten ändern. Im Winter, wenn Heizungsluft die Umgebung austrocknet, helfen selteneres Duschen und reichhaltigere Produkte meist. In einer Hitzewelle kann häufigeres Duschen nötig erscheinen – doch kühleres Wasser und sanfte Reiniger begrenzen die Schäden. Seniorinnen und Senioren, die regelmäßig schwimmen, duschen oft ohnehin täglich im Schwimmbad; statt einer zweiten vollständigen Wäsche zu Hause kann dann eine kurze Abspülung mit einem sehr milden Ölprodukt ausreichen.

Die neuen Erkenntnisse zu Duschen und alternder Haut schreiben keine universelle Regel vor. Sie schaffen Raum für flexiblere, körperbewusste Routinen. Statt Duschen im Kalender zu zählen, ermutigen viele Fachleute ältere Erwachsene, auf ihre Haut zu achten: Fühlt sie sich gespannt, juckt oder ist sie rau, müssen eher Zeitplan oder Produkte angepasst werden – nicht die Person „bessere Hygiene“ leisten.

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