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Diese Medikamente dürfen niemals mit Alkohol eingenommen werden – das ist der Grund.

Person an Küchentisch mit Medikamenten, hält ein leeres Weinglas, daneben Zitronen, Wasserflasche und Beipackzettel.

Das scheinbar harmlose Glas Wein zum Abendessen kann schnell problematisch werden, wenn es auf bestimmte alltägliche Tabletten aus dem Medizinschrank trifft.

Ärztinnen und Ärzte in Europa und den USA warnen, dass einige der gängigsten Schmerzmittel, Schlafhilfen und Psychopharmaka ungünstig mit Alkohol reagieren. Die Mischung kann die Leber belasten, den Magen schädigen, die Atmung verlangsamen oder den Blutdruck abstürzen lassen – manchmal schon nach einem Drink, der sehr moderat wirkt.

Warum Alkohol und Medikamente zu mischen alles andere als eine Kleinigkeit ist

Alkohol ist nicht nur ein „Gesellschaftsgetränk“. Er wirkt auf Gehirn, Leber, Magen und Blutgefäße. Viele Medikamente tun genau das ebenfalls. Wenn beide dieselben Wege im Körper nutzen, können sie miteinander konkurrieren, Organe überlasten oder sich gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken – auf eine Weise, die niemand beabsichtigt hat.

Schon ein einziges Getränk kann Probleme verursachen, wenn es mit manchen frei verkäuflichen Mitteln kombiniert wird – besonders bei älteren oder gebrechlichen Menschen.

Ärztinnen und Ärzte sagen, viele unterschätzen „kleine“ Kombinationen: ein Bier zur Kopfschmerztablette, ein Cocktail zum Erkältungsmittel, ein Glas Sekt nach einer Schlaftablette. Diese Paarungen fühlen sich im Moment selten riskant an, tauchen aber in Notaufnahmen auffallend häufig auf.

Häufige Schmerzmittel: Was passiert, wenn Alkohol dazukommt?

Schmerzmittel stehen im Zentrum des Problems, weil sie fast in jedem Haushalt vorrätig sind und viele ohne Rezept gekauft werden. Dass ein Medikament leicht erhältlich ist, heißt nicht, dass es „sanft“ bleibt, sobald Alkohol ins Spiel kommt.

Ibuprofen, Aspirin und das unterschätzte Risiko für den Magen

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen und Aspirin reizen bereits die Magenschleimhaut. So können sie – vor allem bei häufiger Einnahme oder hohen Dosen – Geschwüre und kleine Blutungen auslösen.

Alkohol schwächt dieselbe Schutzschicht zusätzlich und erhöht die Magensäure. Treffen beides zusammen, verliert der Magen in kurzer Zeit einen großen Teil seiner Abwehr.

Die Kombination aus NSAR und Alkohol erhöht das Risiko für Blutungen im Verdauungstrakt – manchmal schon nach einem einzigen Abend mit Drinks und Tabletten.

Typische Warnzeichen sind:

  • brennender Schmerz im Oberbauch
  • schwarzer oder teerartiger Stuhl
  • Erbrechen, das wie Kaffeesatz aussieht oder rotes Blut enthält
  • Schwindel oder plötzliche Müdigkeit durch Blutverlust

Dafür ist kein exzessiver Alkoholkonsum nötig. Wer ohnehin wegen eines Rückenschubs Ibuprofen nimmt, kann schon mit zwei Gläsern Wein auf einer Feier Probleme bekommen – besonders mit zunehmendem Alter, bei früheren Magengeschwüren oder bei gleichzeitiger Einnahme von Blutverdünnern.

Paracetamol (Acetaminophen) und Leberschäden

Paracetamol (in den USA und Kanada auch als Acetaminophen bekannt) wirkt auf den ersten Blick harmlos. Es reizt den Magen nicht und hilft meist gut bei Fieber und leichten Schmerzen. Trotzdem gehört es in vielen Ländern zu den häufigsten Ursachen eines akuten Leberversagens.

Die Leber baut Paracetamol zu mehreren Stoffen um. Ein kleiner Anteil wird dabei zu einem giftigen Zwischenprodukt, das der Körper normalerweise rasch neutralisiert. Alkohol stört diesen Prozess. Gelangen beide gleichzeitig oder kurz hintereinander in die Leber, kann sich das toxische Produkt anreichern und Leberzellen schädigen.

Situation Leberrisiko mit Paracetamol
Paracetamol allein, normale Dosis Für die meisten gesunden Erwachsenen gering
Hohe Dosis, kein Alkohol Deutlich erhöhtes Risiko einer Leberschädigung
Übliche Dosis, wiederholter Alkoholkonsum Risiko steigt, besonders bei chronischem Konsum
Hohe Dosis + Rauschtrinken (Binge Drinking) Hohes Risiko für schweres, auch tödliches Leberversagen

Warnzeichen einer Leberbelastung treten oft spät auf: Übelkeit, Schmerzen unter dem rechten Rippenbogen, ausgeprägte Müdigkeit, dunkler Urin und Gelbfärbung der Augen. Auf Symptome zu warten, kann gefährlich sein – deshalb empfehlen viele Fachleute, Paracetamol rund um Phasen mit viel Alkohol (z. B. Festivals, Wochenendtrips oder Feiern) zu vermeiden.

Erkältungs-, Grippe- und Allergiemittel: der schläfrige Cocktail

Erkältungs- und Grippensäfte, abschwellende Tabletten und viele Allergiemittel enthalten häufig sedierende Antihistaminika oder Inhaltsstoffe, die Schleimhäute austrocknen. Schon allein können sie bei manchen Menschen Müdigkeit, verschwommenes Sehen und eine verlangsamte Reaktionszeit auslösen.

Alkohol verstärkt diese sedierenden Effekte – Autofahren, Kochen oder sogar Treppensteigen können dadurch gefährlicher werden als sonst.

Häufige Folgen der Kombination von Alkohol mit solchen Präparaten sind:

  • stärkere Schläfrigkeit und plötzliche Schlafattacken
  • Verwirrtheit oder ein „benebeltes“ Gefühl
  • schwankender Gang und Schwierigkeiten, geradeaus zu laufen
  • Erinnerungslücken am nächsten Tag, selbst nach moderatem Trinken

Diese Reaktionen können sowohl bei klassischen „Nacht“-Erkältungsdrinks als auch bei einfachen Allergietabletten auftreten. Ältere Menschen spüren die Effekte früher, weil Gehirn und Leber Substanzen mit zunehmendem Alter langsamer abbauen.

Psychopharmaka, Schlaftabletten und Alkohol: eine gefährliche Allianz

Viele Psychopharmaka und Schlafmittel wirken ohnehin auf das zentrale Nervensystem. Alkohol tut das ebenfalls. Diese Überlappung bereitet Ärztinnen und Ärzten besondere Sorgen, weil diese Medikamente oft langfristig eingenommen werden – und ein einzelnes Getränk nicht immer als Risiko wahrgenommen wird.

Antidepressiva und Mittel gegen Angst

Mehrere Gruppen von Antidepressiva können mit Alkohol wechselwirken. Neben mehr Müdigkeit kann die Mischung die Stabilisierung der Stimmung stören, Angst verstärken oder paradoxe Unruhe auslösen. Manche Betroffene berichten, sie fühlten sich „erst taub und dann plötzlich überwältigt“, wenn sie Behandlung und Alkohol kombinieren.

Bei bestimmten Angstmedikamenten, insbesondere Benzodiazepinen (z. B. bei Panik oder Schlafstörungen), steigt das Risiko deutlich. Diese Mittel dämpfen Hirnaktivität und Atmung. Alkohol wirkt in dieselbe Richtung.

Wenn Benzodiazepine und Alkohol zusammenkommen, kann das zu extremer Schläfrigkeit, Stürzen, verlangsamter Atmung und in schweren Fällen zu Koma führen.

Notfallmedizinerinnen und -mediziner sehen diese Kombination häufig bei älteren Menschen, die abends ein Schlafmittel einnehmen und dann beim Essen Wein trinken. Auch ohne die Absicht, viel zu trinken, bleiben beide Substanzen im Körper und wirken über die Nacht hinweg zusammen.

Schlafmittel und Beeinträchtigung am nächsten Tag

Nicht-benzodiazepine Schlafmittel, die teils als „milder“ vermarktet werden, dämpfen das Gehirn ebenfalls. Wenn jemand abends trinkt und dann zur Tablette greift, weil der Schlaf nicht kommen will, erhält das Gehirn ein doppeltes Abschaltsignal.

Das kann bedeuten:

  • Schlafwandeln oder komplexe Handlungen ohne Erinnerung
  • verlangsamte Atmung im Schlaf
  • starke Benommenheit und schlechte Koordination beim Aufwachen
  • erhöhtes Risiko für Verkehrsunfälle oder Haushaltsunfälle am nächsten Morgen

Für Menschen, die allein leben, wiegt das Risiko zusätzlich schwer, weil nachts möglicherweise niemand Veränderungen von Atmung oder Bewusstsein bemerkt.

Herz, Blut und Kreislauf: wenn Alkohol das Gleichgewicht kippt

Alkohol beeinflusst Blutgefäße und Gerinnung. Er erweitert Gefäße, senkt den Blutdruck und stört die Funktion der Blutplättchen. Mehrere Herz-Kreislauf-Medikamente greifen in dieselben Systeme ein – dadurch werden Wechselwirkungen wahrscheinlicher.

Gerinnungshemmer (Antikoagulanzien), die Schlaganfälle und Blutgerinnsel verhindern sollen, verlängern ohnehin die Blutungszeit. Alkohol kann diesen Effekt verstärken. Schon ein kleiner Schnitt kann deutlich länger bluten. Innere Blutungen, etwa im Magen oder Gehirn, werden ernster und schwerer zu kontrollieren.

Bei Menschen unter Blutverdünnern kann regelmäßiger oder starker Alkoholkonsum die Therapie von „schützend“ zu „gefährlich“ kippen, weil sich das Blutungsfenster vergrößert.

Auch Blutdruckmedikamente sind ein heikles Feld. Alkohol kann den Blutdruck zunächst stark absenken, vor allem beim Aufstehen, und ihn später in der Nacht wieder ansteigen lassen. In Kombination mit Antihypertensiva kann dieser erste Abfall zu Ohnmacht, Stürzen und Kopfverletzungen führen – besonders in warmen Umgebungen oder nach einer großen Mahlzeit.

Wie Sie Ihr persönliches Risiko vor dem nächsten Drink einschätzen

Fachleute sagen nicht, dass alle Menschen lebenslang komplett alkoholfrei bleiben müssen. Sie empfehlen, zu verstehen, welche Kombinationen die Risiken erhöhen – und entsprechend zu planen.

Fragen, die Sie sich stellen können:

  • Ist bekannt, dass dieses Medikament Leber, Gehirn, Magen oder Blutgerinnung beeinflusst?
  • Nehme ich es regelmäßig über mehrere Tage – oder ist es eine einmalige Dosis?
  • Habe ich bereits Lebererkrankungen, Magengeschwüre, Herzprobleme oder Atembeschwerden?
  • Bin ich über 65, untergewichtig oder nehme mehrere Medikamente gleichzeitig?

Wenn mehrere Risikofaktoren zusammenkommen, raten viele Ärztinnen und Ärzte zu komplettem Alkoholverzicht während der Behandlung und mindestens 24 Stunden nach der letzten Dosis. Bei Langzeittherapien wie Antidepressiva oder Antikoagulanzien können manche Menschen moderat trinken – aber nur nach einem klaren Gespräch mit der behandelnden Fachperson.

Praktische Schritte, um auf der sicheren Seite zu bleiben

Kleine Anpassungen senken das Risiko, ohne das Leben auf den Kopf zu stellen. Die Packungsbeilage zu lesen fühlt sich vielleicht mühsam an, aber dort steht oft eindeutig, ob Alkohol gemieden werden sollte. Auch Apothekerinnen und Apotheker können an der Kasse schnelle, individuelle Hinweise geben.

Einige einfache Strategien:

  • Wenn Sie einen Abend ausgehen planen, Schmerzmittel oder Erkältungspräparate so timen, dass sie sich nicht mit Drinks überschneiden
  • Am Morgen nach starkem Trinken keine zusätzlichen Tabletten „nachlegen“
  • Eine kurze Liste Ihrer Dauermedikamente auf dem Handy speichern, um sie Gesundheitsfachkräften zeigen zu können
  • Wenn Sie nach der Kombination von Alkohol und Medikamenten ungewöhnlich schläfrig oder schwindelig sind: aufhören zu trinken und ärztliche Hilfe suchen, wenn sich die Symptome verschlimmern

Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Depression, Herzinsuffizienz oder Asthma profitieren von einem personalisierten Plan. Das kann bedeuten: sichere Trinkgrenzen festlegen, bestimmte Wirkstoffe anderen vorziehen oder entscheiden, dass Alkohol grundsätzlich schlecht zur Therapie passt.

Ein weiterer, selten diskutierter Punkt ist Timing und Trinkmuster. Rauschtrinken (Binge Drinking) – mehrere Drinks in kurzer Zeit – scheint besonders schädlich in Kombination mit Paracetamol, sedierenden Mitteln und Blutverdünnern. Auch regelmäßig kleine Mengen Alkohol können Langzeittherapien beeinträchtigen, indem sie Tag für Tag verändern, wie die Leber diese Mittel verarbeitet.

Am Ende ist die entscheidende Frage nicht, ob Alkohol „erlaubt“ ist, sondern wie sehr der Körper bereits damit beschäftigt ist, Krankheit, Alter und Medikamente auszugleichen. Jede zusätzliche Substanz zwingt Leber, Magen, Gehirn und Herz zu erneuter Anpassung. Zu wissen, welche Tabletten mit dem abendlichen Glas Wein kollidieren, gibt Ihnen die Chance, klarer zu entscheiden, was in diesem Moment wichtiger ist: der Drink – oder Ihre Sicherheit in den nächsten 24 Stunden.

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